15/09/2014 Hai

Ein Wochenende auf Wangerooge

Am Wochenende vom 12. bis 14. September 2014 war ich mit drei Freunden auf der östlichsten der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln zu besuch. Die Insel lebt hauptsächlich vom Tourismus und ist komplett autofrei.

Jana, Christopher und Tim kenne ich von meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Deichbrand-Festival. Obwohl wir alle aus dem Norden stammen, sehen wir uns bloß sehr selten. Quasi nur auf dem Deichbrand. Das wollten wir mit diesem kleinen Trip ändern.

Tim hatte damals sein FSJ in der Jugendherberge auf der Insel geleistet, deshalb kannte er sich perfekt mit allem um und auf der Insel aus und wurde somit zu unserem persönlich Tourguide. Ich war zwar schon mal auf Borkum, aber Wangerooge war mir komplett fremd. Getroffen haben wir uns alle in Oldenburg und sind von dort aus mit dem Panzer zum Fähranleger nach Harlesiel gefahren. Nach der Irrfahrt über diverse Landstraßen sind wir dann auch angekommen, haben uns einen Parkplatz besorgt und unser Gepäck abgegeben. Die Karte mit dem Leuchtturm (Kurkarte) hat uns vor Ort der Tim besorgt. Gewissermaßen die Eintrittskarte für die Insel! Auf der Überfahrt haben wir den schönen Ausblick genossen und uns unter Deck die Zeit mit einem Quiz, Getränken und einem sehr tollen Kartenspiel (später mehr dazu) vertrieben.

Auf der Insel angekommen ging es dann mit dem Gepäck ab zur Jugendherberge, welche schon vom Wasser aus zu sehen war. Die meisten mitreisenden sind mit der Inselbahn ins Inselinnere gefahren. Wir hausten im 6. Stock des Westturms, von dem man einen grandiosen Ausblick über die Insel hat. Schnell die Betten bezogen, Taschen geleert und dann ging es raus.

Inselerkundung war nun angesagt und das am besten mit einem Fahrrad. Leider hatte der Fahrradverleih gerade Mittagspause, deshalb entschieden wir uns erstmal für einen kleinen Rundgang zu Fuß über den Deich, eine kleine Stärkung an einem Kiosk, vorbei an der Nationalpark Station Wangerooge West und wieder zurück zum Fahrradverleih. Mit den Rädern sind wir dann Richtung Inselzentrum geradelt. Die perfekte Zeit für ein Fischbrötchen.


Nach der Stärkung ging es dann herüber zum Strand. Der Sand war traumhaft weiß. Nur der Wind war ein wenig frisch. Christopher ist noch kurz in die Nordsee gehüpft und hat sich ein wenig abgekühlt. Danach sind wir beim SPAR einkaufen gewesen, der sich direkt neben einem Edeka befand. Ein bisschen Knabberzeugs und ein paar Getränke durften bei einem gelungenen Tagesausklang natürlich nicht fehlen. Nach einem kurzen Mittagsschlaf ging es dann zum Abendessen mit anschließendem Fitnessprogramm hinauf auf die Turmspitze. Von dort haben wir uns den Sonnenuntergang angeschaut. Es war einfach sagenhaft warm dort oben. Im Anschluss sind wir wieder auf unser Zimmer und haben mit dem Kartenspiel Bohnanza angefangen. Das Spiel macht super viel Spaß und sollte in jedem Haushalt verfügbar sein. Man spielt einen Bauern, der versucht verschiedene Arten von Bohnen anzubauen und zu ernten.

 


Am späten Abend wechselte ich ein paar Nachrichten mit einem Freund auf dem Festland, der in der Bremerhavener Umgebung gerade auf Fototour war. Wir beschlossen ebenfalls uns noch einmal aus unsere Fahrräder zu begeben und fuhren über den Deich ans Wasser. Mit dem bloßen Auge konnte man es nicht wirklich erkennen, aber auf den Fotos wurde es denn sichtbar: Das Polarlicht! Leider nicht so intensiv, aber ein guter Grund mal nach Skandinavien zu reisen. Wir setzten unsere Nachtfahrt fort, machten hier und da noch ein paar Fotos und besuchten noch den Beachclub. Zwischenzeitlich sind Jana und Christopher zurück zum Westturm und hatten noch eine kleine Aufgabe für uns vorbereitet. Diese hatte etwas mit der Sendung The Big Bang Theory zu tun.

Wattwandern war ich zuletzt in der Grundschule und da fand ich es nicht wirklich toll. Um das zu ändern, machte ich bereits vor der Reise den Vorschlag eine Wanderung im Weltnaturerbe Wattenmeer zu machen. Kam gut an und wurde dann auch mit professioneller Führung umgesetzt.

Petra Lösch führte uns knapp 2 Stunden durch das Watt und zeigte uns deren Bewohner und gab uns einige nützliche Hinweise. Dazu gehörte zum Beispiel der Wattwurm, der für die allgegenwärtigen Häufchen im Watt verantwortlich ist. Um eine Gefahr zu vermeiden sollte man stets das Wasser im Blick haben, weil das schnell bedrohlich ansteigen kann. Ich würde empfehlen Barfuß im Watt zu wandern. Fühlt sich toll an und macht sicherlich auch mehr Spaß. Man sollte sich Markierungspunkte auf dem Festland merken, weil die Orientierung bei schnell wechselnden Wetterbedingungen rasant verloren gehen kann.

Nach der intensiven Wanderung durch das Watt, setzten wir unsere Fahrradtour fort und fuhren am Deich Richtung Osten. Diese Unternehmung wurde dann durch einen im Weg stehenden Bauzaun, auf dem ein freundlicher Hinweis angebracht war, unterbrochen. Wir beschlossen also einen anderen Weg zu fahren und kamen unter anderem am Flughafen vorbei. Irgendwann entschieden wir uns aufgrund einer weiteren Baustelle, die wohl mit der Erneuerung des Deiches zu tun hatte, die Räder stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen. Das war eine recht gute Entscheidung, weil wir im Sand sowieso nicht weiter gekommen wären.

Wir gingen also zu Fuß weiter über die Dünen und den Strand entlang. Dann erblickte ich ein Segelboot auf dem Watt. Das ganze fand ich sehr interessant und wagte mich mit Christopher in das Watt. In diesem Moment konnten wir einiges von dem anwenden, was wir kurz vorher bei der Wattwanderung bei Petra gelernt hatten. Dooferweise wurde jeder Schritt schwieriger, weil dort sehr viele Muscheln waren und wir mit jedem weiteren Schritt ungefähr 30 cm in den Boden eingesackt sind. Die Klamotten waren dann ein wenig dreckig, aber es hat sich dann doch ja gelohnt.

So ein Anblick wie auf dem nachfolgenden Bild ist gar nicht so selten. Das ganze nennt sich Trockenfallen im Watt und ist eine gängige Praxis, um mal an Land zu gehen oder sich einfach nur auszuruhen.

Früher gab es hier mal einen Ostanleger, der wurde aber ständig durch Sturmfluten beschädigt und lohnte sich wirtschaftlich nicht mehr. Auch die Ostbake, welche als Wahrzeichen der Insel galt, kam in die Jahre und wurde abgerissen. Vorbei an alten Bunkeranlagen und zerstörten Geschütztürmen sind wir dann am riesigen Strand auf der Nordseite angekommen. Er sah gefühlt endlos aus und war komplett flach.

Auf dem Rückweg pausierten wir auf der Terrasse einer Gaststätte und fuhren anschließen wieder entspannt mit dem Rad zurück, genossen von einer Bank aus die Aussicht, halfen unterwegs einer Mutter bei einer herausgesprungenen Fahrradkette und fuhren den gradlinigen Deichabschnitt zurück in Richtung des Westturms. Auf dem Weg sah man an der Seite riesige runde Löcher im Boden, die mit Wasser gefüllt war. Das ganze sind sogenannte Bombentrichter, die während der Luftangriffe auf Wangerooge im Zweiten Weltkrieg entstanden sind.

Wir brachten dann die Fahrräder zurück und bemerkten, dass der Mitarbeiter der DJ aus dem Beachclub war.

Kaum zu glauben, aber es war tatsächlich schon unser letzter Abend auf der Insel. Mit unseren eingekauften Getränken ging es deshalb noch einmal raus an den kleinen Strand, wo wir uns den Sonnenuntergang angeschaut haben. Den Abend haben wir dann mit ein paar amüsanten Runden Bohnanza ausklingen lassen.

Aufstehen, ordentlich Frühstücken, Sachen packen und paar Runden Billard spielen und dann ging es auch schon wieder zurück zum Fähranleger, vorbei an der Inselbahn auf die Fähre und zurück auf das Festland.

Die Bilder habe ich mal mit GPS-Daten versehen und auf einer Karte sichtbar gemacht. Darauf kann man gut erkennen, dass wir die Insel ordentlich erkundet haben!

Wer noch nie auf Wangerooge war, dem kann ich es nur empfehlen. Man kann hier einiges sehen und sich ordentlich erholen. Vor allem das Wattenmeer sollte man mal unter den Füßen gespürt haben. Es lebt sich auch ohne Autos gut und mit dem Fahrrad kommt man auch überall schnell hin.

Obwohl es nur ein Wochenende war, haben wir ziemlich viel auf der Insel unternommen und dabei ordentlich Spaß gehabt. Ich bin stark für eine Wiederholung oder für eine Fortsetzung an einem anderen Ort. Vielleicht wird es ja eine weitere Ostfriesische Insel. Freuen würde ich mich alle male und werde dann natürlich wieder berichten. In diesem Sinne: Dankeschön für die Erfahrung und Erlebnisse!

Fotos von Hai Dang Duong.

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Comment (1)

  1. Christopher

    <3 Fantastisches Wochenende!
    Sehr gute Zusammnfassung der Ereignisse unserer kleinen Reise! Und natürlich (wie immer): tolle Bilder!
    Auf eine Wiederholung 🙂

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